Christus-Gemeinde Nettelkamp

Herr, du kennst all mein Begehren

und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.“

  Psalm 38,10

Liebe Leser,

das Gebet ist das Hezstück christlichen Glaubens. Gott will uns locken, anreizen, ermuntern, dass wir zu ihm kommen und ihn bitten wie Kinder ihren Vater. Darum hat unser Herr Jesus auf die Bitte seiner Jünger: „Herr, lehre uns beten!“ geantwortet:

„Wenn ihr betet, so sprecht: `Vater!´“

Vater unser im Himmel! So können und dürfen wir reden mit dem allmächtigen Gott und Vater unseres Herrn Jesus. Die Frage ist nur, ob wir es auch tun? Oder ist solches vertraute Reden mit Gott so selbstverständlich und banal geworden, dass wir es einfach sein lassen? Der Islam verlangt fünfmal täglich das Pflichtgebet. Setzen wir Christen dagegen die Freiheit, nicht beten zu müssen? Und ziehen daraus die falsche Konsequenz, gar nicht mehr mit Gott zu reden?

Wenn in einer Familie nicht mehr miteinander gesprochen wird, läuft etwas verkehrt. Normalerweise wollen wir uns mitteilen, ins Gespräch kommen, mit Worten das Leben teilen. Gerade Kinder können übersprudeln und mit einer Fülle an Worten erzählen von dem, was sie erfüllt. Gott ist ein guter Zuhörer. Und er hat geboten, dass wir zu ihm reden. Dazu hat er verheißen und zugesagt, dass er uns erhören will. Darum kann der Glaube nicht anders als reden - zu Gott, unserem Vater! Mit allem, was wir auf dem Herzen haben, mit der Freude, die uns erfüllt, aber auch mit dem Sehnen und Seufzen in der Not des Lebens.

Gerade die Psalmen sind eine Schule des Gebets. Hier hören wir wie Menschen Gott loben und viel öfter auch klagen. Und wenn einem selbst die Worte fehlen, leihen wir uns die Worte derer, die vor uns gebetet haben oder stimmen schlicht ein in das Vaterunser, das Jesus uns vorgebetet hat. Wir können mit eigenen Worten zu Gott reden oder mit geprägten Worten, die schon über Jahrtausende ihre Kraft entfaltet haben. Auch noch das stumme Sehnen, Seufzen und Begehren ist ein Gebet, das offen vor Gott liegt.

Nur eines geht nicht, stumm zu bleiben und das Gespräch mit Gott zu verweigern. Darum lassen wir uns locken und einladen zu beten: Gemeinsam in den Gottesdiensten oder mit der Familie, persönlich vor Gott, täglich und reichlich, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe zu Gott, der unser Vater ist.

                Pastor Andreas Eisen