Pastor Eisen

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Liebe Leser,

diese Worte stammen aus der Predigt des Apostel Paulus auf dem Areopag in Athen. Sie verkünden die Nähe Gottes, ja geradezu die Gottverbundenheit des Menschen. Gott kommt den Menschen ganz nah.

In Zeiten von Kontaktverboten, Distanz, Abstandhalten und Ja-nicht-zu-nahe-kommen, tun diese Worte der Gottesnähe gut. Leider endete die Predigt auch damals in einer Distanzierung: einige der Zuhörer spotteten, einige wandten sich ab und wollten ein andermal weiterhören. Einige aber kamen auch zum Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus.

Für unsere Zeit ist diese Predigt hochaktuell. Coronabedingt wird „social distancing“ gefordert, d.h. in sozialen Kontakten, also den Berührungspunkten alltäglichen Miteinanders, Abstand zu halten; Auseinander zu gehen statt Miteinander. Im religiösen Bereich haben viele Menschen dies schon längst vollzogen. Sie sind zu Gott auf Abstand gegangen. Gott ist ihnen in die Ferne gerückt, geradezu unwirklich geworden. Der Mensch hat sich auf sich selbst zurückgezogen. Er will selbst seines Glückes Schmied sein. So leben viele in der Gottesferne und in der Gottesfinsternis. Sie können Gott weder sehen noch finden. Das Leben ist Gott los und zugleich gottlos geworden.

Genau da setzt die Predigt des Paulus ein. Der Mensch ist kein Zufallsprodukt, nicht auf sich selbst gestellt. Er braucht soziale Kontakte genauso wie die Verbindung zu Gott, der ihm „Leben und Odem und alles gibt“. Weil wir Geschöpfe sind, von Gott geschaffen, tragen wir schon in unseren Genen die schöpfungsgemäße Bestimmung, „dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten“.

Das bleibt, vom Men36247kcoschen aus gesehen, allerdings nur ein Stochern im Dunkeln. Aus eigener Kraft und Vernunft kann niemand zu Gott kommen. Der Abstand zu Gott lässt sich nicht von uns aus überbrücken.

Um so erstaunlicher die gute Nachricht, die Paulus predigt: „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.Und da wir zum Bilde Gottes geschaffen sind kann Paulus auch in Anlehnung an die griechische Philosophie formulieren „in ihm leben, weben und sind wird“. Paulus fügt noch ein wörtliches Zitat des Dichters Aretas von Solai (um 300 vor Christus) aus seinem Buch „Himmelserscheinungen“ hinzu: „Wir sind seines Geschlechts“.

Damit zeigt der Apostel: So nahe kommt der heidnische Dichter der Wahrheit, dass er von der Gottesverwandtschaft des Menschen spricht. Und doch bleibt er in der Gottesfinsternis der antiken Götzenverehrung, die den lebendigen Gott in den toten Götzenbildern sucht und verehrt.

Darum setzt hier der Ruf zur Umkehr ein. Wenn Gott uns so nahe ist und der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen ist, dann kann er nicht die toten Götzen verehren. Dann ist das menschliche Suchen nach Gott gescheitert. Und doch bleiben wir in Gott und Gott uns nahe. Wir sind zu einer Antwort herausgefordert, aufgerufen, uns vor dem Schöpfer zu verantworten.

Nun ist davon zu reden, dass Gott uns nahe kommt. Ja, durch Jesus Christus tritt Gott selbst für uns ein. Als der von den Toten Auferstandene führt er den Glaubenden in die Gemeinschaft mit Gott zurück. Wer an Jesus glaubt und getauft wird, der braucht Gott nicht länger suchen. Den hat Gott gefunden. Der erkennt in der Tiefe, was das heißt, das „Gott nicht ferne ist von einem jeden unter uns“. Als getaufter Christ und Kind Gottes sind wir gerufen mit Christus in einem neuen Leben zu wandeln.

Ziel dieser Predigt ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Der Auferstandene ruft alle Menschen zur Umkehr und zum Glauben, damit sie nicht länger in Blindheit, noch in bloßer Ahnungslosigkeit bleiben, sondern in der Freude des Glaubens bekennen: „in ihm, Christus, leben weben und sind wir“. Wir sind göttlichen Geschlechts.

Die Auferstehung Jesu und der Glaube an ihn sind der Schlüssel, um aus dem social distancing der Gottesferne wieder in die Gemeisnschaft mit Gott aufgenommen zu werden.

Jeder Gottesdienst ist dazu eine Einladung: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Gottes Segen wünscht Ihnen

Pastor Andreas Eisen